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LEITARTIKEL

So könnten wir in Zukunft leben

04.11.2011

Alexandra Albrecht / 04. November / Weserkurier

Im Wilhelm Wagenfeld Haus sind rund 70 Arbeiten von Studenten der Hochschule für Künste zu sehen. Die Ausstellung "Was geht. Best of HfK Design" macht nicht nur Vorschläge, wie Gegenstände des alltäglichen Gebrauchs schöner aussehen und praktischer gestaltet werden können, sie fragt auch, wie wir künftig leben wollen.

Ein Jahr haben elf Studentinnen und Studenten der Hochschule für Künste die Ausstellung "Was geht. Best of Design" für das Wilhelm Wagenfeld Haus vorbereitet. Eine Jury hat aus 180 Projekten der Studiengänge Integriertes Design und Digitale Medien 70 Arbeiten ausgewählt, die bis zum 15. Januar präsentiert werden. Die Bandbreite ist enorm: Zu sehen sind neben den Kostümen für das Opernprojekt "L' Orfeo" Mode, Zeitungen,Bücher,Fotografien, Sportgeräte und Kleinkraftwindanlagen für ein Privathaus. Begleitet wurde das Projekt von den Professoren Roland Lambrette und Detlef Rahe.

Auf die Frage, ob sie sich mehr als Künstler oder als Ingenieure verstehen, antworteten die Studenten bescheiden: "Als Problemlöser und Gestalter". Obwohl sie an der Hochschule ihrer Kreativität keine Grenzen setzen müssen, beschäftigen sie sich doch schon sehr ernsthaft und pragmatisch mit Fragen wie Energienutzung, Umweltschutz, Mobilität und Datensicherheit. Und sie arbeiten zum Teil mit Firmen zusammmen, um zu überprüfen, ob ihre Ideen überhaupt industriell umgesetzt werden könnten. Manche der ausgestellten Objekte sehen absolut professionell gestaltet und marktreif aus. Wie etwa das oben abgebildete "Nookboard", ein neues Sportgerät, das an das alte Skateboard erinnert, aber in der Mitte beweglich ist.

Ebenso überzeugend kommen auch die Raumkleider David Feldmanns daher. Aus kleinen beweglichen Filzplatten setzt er große Teppiche zusammen, die als Wandschmuck und auch als Raumteiler dienen können. Feldmann kann sich auch vorstellen, aus ihnen Iglus zu bauen, um in Großraumbüros Rückzugsräume zu schaffen.

Mit der Begrünung von Fassaden hoher Gebäude in Großstädten hat sich Manuel Dreesmann beschäftigt. Er lässt an der Fensterfront Grünpflanzen, die für ein besseres Raumklima sorgen, an Laufbändern hoch- und runterfahren. Weil die unteren Etagen von Hochhäusern häufig im Schatten liegen, durchfahren die Pflanzen mit seiner Konstruktion gleichmäßig sonnige und schattige Stockwerke.

David Oldenburg hat sich Gedanken gemacht, wie der knappe Wohnraum in den Megastädten besser genutzt werden kann. Aus einem Einzimmer-Appartment macht er eine Mehrraumwohnung. Sein Modell der "Pop-up-Wohnung" erinnert an Grußkarten, die beim Auffalten plötzlich ein dreidimensionales Innenleben offenbaren. In Oldenburgs Zuhause kann man verschiedene Wände hervorziehen, hinter denen sich das Mobiliar für Wohn- und Schlafzimmer verbirgt.

Kreativ und pragmatisch

Mit dem Wohnen und Arbeiten in der Antarktis hat sich eine Arbeitsgruppe beschäftigt, die ein kühnes Gebäude in der Form eines Eiskristalls entworfen hat. Berücksichtigen mussten die Studenten hierbei, dass dort außergewöhnliche Wetterverhältnisse herrschen, extreme Kälte und Wind. Wer sich sorgt, seinen Liebsten im ewigen Eis zu verlieren, sollte einen Kompass mitnehmen, der immer anzeigt, wo sich der Partner gerade befindet. Die digitale Technik ist in einem kleinem Stein versteckt.

Datensicherheit ist ein weiteres Thema, mit dem sich mehrere Studenten beschäftigt haben. Niklas Hippel etwa hat 100 gebrauchte Handys gekauft, die dort noch vorhandenen SMS und Fotos gesichtet und in einem Buch veröffentlicht - natürlich unter Berücksichtigung des Datenschutzes.

Wie werden wir also in naher Zukunfz leben? Morgens fahren wir in einer an einem Drahtseil hängenden Gondel zur Arbeit, setzen uns dort in unseren Filz-Iglu, treffen uns nach Dienstende mit Hilfe des Kompasses mit unseren Liebsten. in unserer faltbaren Kleinstwohnung schlüpfen wir in die elegante schwarz - weiße Kleidung von Michael Court, die uns Ruhe vermitteln soll, und greifen zur Zeitschrift " Vier", die die Hochschule herausbringt.

Erfreulich ist, dass die Studenten Design eben nicht als verkaufsförderndes Aufhübschen von Alltagsgegenständen begreifen. Ihr Ansatz geht viel weiter, sie fragen sich nämlich, was wir wirklich brauchen und wie wir es umweltbewusst herstellen können. Diese sehr professionell präsentierte Ausstellung soll es künftig jedes Jahr geben, heißt es aus der Wirtschaftsförderung Bremen GmbH, die das Wagenfeld Haus betreut. Gut so: Sie schmückt das Haus und die Hochschule.